Anregung einer gesunden Wärmebildung über die Ernährung

Die Wärme spielt eine zentrale Rolle für die Gesundheit des Menschen. Bereits kleine Schwankungen haben weitreichende Auswirkungen. Bei einer infektiösen Erkrankung zum Beispiel tritt als Immunreaktion das Phänomen des Fiebers auf, das die so wichtige Aufgabe hat, die Eliminierung von Krankheitserregern zu erleichtern. Eine Fieberreaktion bei Infektionskrankheiten ist eine gesunde Abwehrmaßnahme des Organismus und sollte deshalb nicht vorschnell mit fiebersenkenden Mitteln nach unten gedrückt werden. Heute liegt sogar die Problematik vor, dass viele Menschen gar kein Fieber mehr bekommen. Es ist dies ein Ausdruck für eine zu starke Erkaltung des Organismus. Besonders auffällig ist beispielsweise, dass Menschen die an Krebs erkrankt sind, in der Regel schon jahrelang keine Fieberreaktionen mehr aufweisen.

Stoffwechselwärme und Wärmeäther wirken für den gesunden Wärmehaushalt zusammen

Die Wärmebildung im Menschen entsteht bekanntermaßen durch die Stoffwechselaktivität. Bei sportlicher Betätigung wird diese Stoffwechseltätigkeit sogar bis zum Schwitzen gesteigert. Auch die Ernährung hat eine wichtige Bedeutung für die Wärmebildung im Menschen. So erfolgt mit der Nahrungszufuhr und die sich daran anschließende Stoffwechseltätigkeit ein Wärmeanstieg. Jeder kennt die Erfahrung, wie einem nach einem kräftigen Essen richtig heiß werden kann.

Es gibt nun noch eine andere Art der Wärme, die ebenfalls von großer Bedeutung für den Wärmehaushalt ist. Es handelt sich hierbei um eine Wärmequalität, die nicht physisch wie die Stoffwechselwärme ist. Diese Wärme wird in der anthroposophischen Medizin als Wärmeäther bezeichnet.

Die Stoffwechselwärme strahlt zentrifugal, von innen nach außen, aus dem Körper aus. Der Wärmeäther hingegen wirkt zentripetal, von außen nach innen durchdringend bis in die Tiefe der Körperzellen. Es ist damit auch das Empfinden einer Zentrierung bei gleichzeitiger Offenheit nach außen verbunden.

Für einen gesunden Wärmehaushalt benötigt es sowohl die Wärme aus dem Stoffwechsel, wie auch die ätherische Wärme. Die Stoffwechselwärme kann beispielsweise mit dem Trinken eines heißen Tees angeregt werden. Der Wärmeäther ist hierbei noch nicht unbedingt berührt. Man könnte auch sagen, der Wärmeäther betrifft mehr die Qualität der Wärme, während die Stoffwechselwärme sich mehr auf die Quantität der Wärme bezieht. Wie kann aber der Wärmeäther, der auf sehr subtile Weise wirksam wird, eine sinnvolle Anregung finden? Dies möchte ich am Beispiel der Ernährung aufzeigen.

Wie entsteht der Wärmeäther?

Der Wärmeäther entsteht am meisten, wenn der Mensch eine Sache mittels seiner Ideen- und Gedankenkraft kreiert. Bezogen auf eine Mahlzeit, die er zubereitet, heißt das, dass man mit einer Idee zu einer Mahlzeit beginnt, sich diese genau überlegt und dann diese Idee in genau bemessenem Maß in die Umsetzung bringt. Der Wärmeäther kommt nicht dadurch in das Essen, dass man die Zutaten kocht und ihnen auf diesem Wege Wärme zuführt, sondern er kommt mit der gedachten Idee und der daraus entwickelten Gestaltung unmittelbar durch den Menschen hinein. Ein Rezept zu einem Gericht sollte deshalb nicht einfach nur nachgekocht werden, sondern es sollte mehr als eine Anregung für mögliche Kombinationen von Lebensmitteln dienen und es kann eine Unterstützung in Bezug auf Mengenverhältnisse sein. Der Koch bringt die Idee, die anhand dieses Rezeptes zum Ausdruck kommen kann, in eine eigenständige Vorstellung und setzt diese dann praktisch um.

Es kann eine einfache, ganz allgemeine Grundidee für eine Mahlzeit sein: das Essen ist in seiner Gesamtheit harmonisch aufeinander abgestimmt, wobei die einzelnen Bestandteile individuell nach ihrer jeweiligen Charakteristik gut herausgestaltet sind.

Die Umsetzung einer Idee bei der Zubereitung einer Mahlzeit

Das folgende Gericht ist eine süße Hauptspeise. Kurz gekochte und gequollene Haferflocken werden mit gerösteten Mandeln garniert und dazu werden Apfelscheiben mit Rosinen und als Eiweißbeilage Jogurt gereicht.

Die Haferflocken wurden kräftig mit verschiedenen Gewürzen wie Vanille, Kardamom, Zimt und Nelken gewürzt. Das Getreide benötigt generell viele Gewürze, da es selbst wenig Eigengeschmack besitzt. Die Gewürze mit ihren vielseitigen Aromen verleihen dem Getreide einen charakteristischen Geschmack. Das Getreide bildet nur sehr kleine unscheinbare Blüten und betont sehr stark mineralische Prozesse. Es enthält deshalb viele Mineralien, wohingegen ihm das blütenhafte Element fehlt. Das Blütenhafte kennzeichnet sich durch leuchtende Farben und aromatische, sich verströmende Düfte. Bei den Gewürzen hingegen ist das Blütenhafte sehr stark ausgeprägt und somit sind sie eine sinnvolle und notwendige Ergänzung der Getreide. Ein gut gewürztes Getreide kommt dem Menschen mehr entgegen, es ist aufgeschlossener und damit auch leichter verdaulich.

Heinz Grill widmet den Gewürzen in dem von ihm verfassten Ernährungsbuch ein ganzes Kapitel und betont ihre Bedeutung hinsichtlich der Verdaulichkeit und der Gesamtharmonie eines Essens:

„Ein Getreidegericht oder auch eine Gemüsespeise ist ohne Gewürz schwerer verdaulich. Die Gewürze in ihrer spezifischen Bedeutung haben die wohlwollende Eigenschaft, dass sie die Natur des Nahrungsmittels auf sanfte Weise mit ätherischen Ölen, Harzen oder Aromastoffen durchdringen und sie auch zu verändern vermögen. Sie führen die Speisen dem Verdauungsvorgang näher. Eine gute Küche benötigt deshalb eine reichhaltige Auswahl an Gewürzen. Dabei sollte man beachten, dass man nicht erst am Ende, nach dem Kochen, das Gewürz passiv hinzufügt, sondern dass man es im richtigen Moment in den gesamten Gestaltungsprozess der Zubereitung miteinbezieht, denn das Gemüse oder Getreide sollte sich nicht nur an der Oberfläche, sondern im ganzen Geschmack mit dem Gewürz verbinden. Dann, wenn das Würzen im richtigen Maße und in der Qualität der Auswahl gelingt, entsteht ein in der Harmonie gesteigertes Gericht.“1

Am Ende des Kochprozesses wurde dem Getreide eine kleine Menge Honig hinzugefügt, um die Süße der Haferflocken noch etwas zu unterstützen. Der Honig ist ebenfalls sehr stark blütenhaft. Er wurde von den Bienen aus Tausenden von Blüten gesammelt. Da er sehr konzentriert ist, sollte er nur in kleinen Mengen verwendet werden. Das Getreide benötigt auch immer etwas Fett. Hier wurde etwas Kokosmus untergerührt. Es gibt eine sämige Komponente und ein zartes nußartiges Aroma.

Die Mandeln wurden in der Pfanne leicht geröstet, damit sie intensiver schmecken. Das Rösten sollte nur sehr vorsichtig erfolgen, damit die Mandeln nicht bitter werden. Die Mandeln sind mit ihrer Festigkeit eine gute Ergänzung zu den Haferflocken, die eine fast breiige Konsistenz haben. Für den erwachsenen Menschen ist es günstig, wenn die Ernährung nicht zu weich und breilastig ist, denn er benötigt auch etwas zu beißen. Das kleine Kind ernährt sich von Brei, der Erwachsene, der eigenständig im Leben steht und sich mit dem Leben konfrontieren und auseinandersetzen muss, benötigt auch in der Ernährung eine größere Anforderung.

Die Äpfel wurden in halbmondförmige Scheiben geschnitten. Sie geben mit ihrer größeren Festigkeit und ihrer Form den sehr weichen Haferflocken ein Formelement. Die Apfelscheiben wurden kurz in heißem Sesamöl gedünstet, damit sie sich dem gekochten Gericht besser zugliedern. Rosinen wurden hinzugemischt und ganz fein geschnittener Ingwer verleiht einen zitronig-frischen, leicht scharfen Geschmack. So kommt zu dem Süßen des Getreides und der Rosinen, was entspannend und lösend wirkt, auch eine leicht zusammenziehende und wach machende Komponente hinzu.

Als eiweißreiche Beilage wird Jogurt gereicht. Er gibt mit seinem leicht säuerlichen Geschmack ebenfalls eine zusammenziehende und erfrischende Komponente.

Würde man beispielsweise zu den gekochten Haferflocken Apfelmus und Jogurt servieren, so wäre die gesamte Speise in ihrer Konsistenz zu weich und formlos. Auch die Farbgebung wäre bei dieser Zusammenstellung sehr einseitig. In der hier gewählten Kreation wird die Farbigkeit durch die kräftig braune Schale der Mandeln und die braunen Rosinen unterstützt. Hätte man zum Beispiel auch noch Orangenschnitze zur Verfügung, könnte die Farbgebung mit der leuchtend orangen Farbe nochmals weiter betont werden.

Grundsätzlich ist es günstig, wenn die Zutaten aus biologischer Landwirtschaft stammen, da hier keine giftigen Pestizide und künstlichen Dünger verwendet werden. Biologisch gezogene Gemüse und Getreide enthalten in der Regel mehr Mineralien und Vitamine als konventionell hergestellte. Auch ist es günstig, Getreide in seiner vollwertigen Form als „Vollkorn“ und nicht geschält oder in Form von Auszugsmehlen zu verwenden. Wenn die Randschichten entfernt werden, geht auch ein Großteil der Mineralien, die vor allem in den Randschichten angereichert sind, verloren.

Ein harmonisches Gericht mit veredelter Qualität ist das Ergebnis der menschlichen Gestaltungskraft

Die Idee für eine Mahlzeit darf in der Zubereitung durchaus mit viel Phantasie in die Umsetzung kommen. Es sollten die Gedanken weder rein intellektuell nach Zahlen und gesunden Inhaltsstoffen ausgerichtet sein, noch sollten die Gedanken in eine utopische weltenferne Phantasie abgleiten. Ein guter Bezug zum Wesen und zur Charakteristik der verwendeten Lebensmittel ist wichtig, um sie auf sinnvolle Weise zubereiten zu können.1 Der Koch knüpft mit der Idee an der vorliegenden Realität an und führt diese in eine ideale Ausgestaltung. Die einzelnen Anteile wie Haferflocken, Äpfel, Mandeln und Joghurt, welche vom Koch individuell herausgestaltet werden, verbinden sich zu einem harmonischen Gericht, das in seiner Gesamtheit eine veredelte Qualität aufweist. Die Erweiterung oder Verwandlung auf eine höhere Stufe ist charakteristisch für den Wärmeäther. Die vom Menschen hervorgebrachte gedankliche Gestaltungskraft bei der Nahrungszubereitung stärkt den Wärmeäther auf intensive Weise.

verfasst von: Rita Egger

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1Grill, Heinz: Ernährung und die gebende Kraft des Menschen. Die geistige Bedeutung der Nahrung, S. 145.

1Das Buch „Ernährung und die gebende Kraft des Menschen. Die geistige Bedeutung der Nahrung“ von Heinz Grill gibt hierfür eine sehr wertvolle und tiefgreifende Grundlage. Auch die Schriften von Udo Renzenbrink über die Ernährung sind sehr zu empfehlen.

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